Das Nagelkreuzzentrum Sievershausen, einziges Mitglied der weltweiten Versöhnungsgemeinschaft des Nagelkreuzes von Coventry im Bereich der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, übermittelt eine Botschaft von Dr. Sarah Hills, der Leitenden Geistlichen für die Versöhnungsarbeit der Kathedrale von Coventry. Angesichts der terroristischen Überfälle auf die Menschen von Paris schreibt Dr. Hills:

Die entsetzlichen Ereignisse der vergangenen Nacht in Paris erinnern uns wieder an die Verdorbenheit, zu der Menschen fähig sind. Unsere aus tiefstem Herzen gesprochenen Gebete gedenken aller, die geliebte Menschen verloren haben, und aller, die verletzt wurden oder bei den jüngsten Angriffen traumatisiert wurden.“

Die Nachricht von den Pariser Anschlägen erreichte die Gemeinschaft ausgerechnet am Vorabend des 14. November, 75. Jahrestag des 'Coventry Blitz', des deutschen Angriffs auf das Zentrum der mittelenglischen Industriestadt, bei dem die mittelalterliche Kathedrale zerstört wurde.

Wir erinnern an jene Ereignisse des 14. Novembers 1940. Wir erinnern aber daran in einer bestimmten Haltung: am Morgen nach dem Bombardement ist Provost Howard, der leitende Geistliche der Kathedralgemeinde damals, in die vom Rauch erfüllte Ruine der geliebten Kathedrale gegangen und sagte zwei Worte: “Vater vergib!” Damit brachte er zum Ausdruck, dass wir alle der Vergebung bedürfen – die Opfer und die Täter gleichermaßen. So hat unser besonderer Auftrag, für Versöhnung und Frieden zu arbeiten, begonnen. Aus dieser Geschichte heraus haben wir die Verpflichtung, auf Dunkelheit mit Licht zu antworten, der Verzweiflung Hoffnung entgegen zu setzen, und Konflikten mit Feindesliebe zu begegnen.
Heute finden wir uns wieder an einem Morgen nach einer schrecklichen Zerstörung, bei der wiederum Leben ausgelöscht wurde. Wieder müssen wir reagieren – und wir sollten es nicht im Geist des Hasses oder der Rache tun, sondern aus einer großen Sehnsucht heraus nach Frieden und Versöhnung.
Unser Pflicht ist es, auch angesichts des Terrors in Paris aufzustehen und uns zu mühen, den kleinen Hoffnungsschimmer in der größten Dunkelheit zu bewahren – das Licht Gottes und die Zuversicht an die Wahrheit dieses Lichtes“.
Gerade in diesen Tagen der Erinnerung an 1940 möchte die Gemeinschaft des Nagelkreuzes von Coventry die Botschaft des ‘Vater vergib’ aktuell entfalten. „Lasst uns zusammen stehen – Glaubende aller Konfessionen und Religionen, und Nichtglaubende. Lasst uns gemeinsam dafür aufstehen, dass es einen anderen Weg des Lebens gibt als den des Hasses und der Gewalt, einen besseren Weg, in Frieden mit der ganzen Welt zu leben“, ruft Dr. Hills am Ende ihrer Botschaft auf.

Szenische Lesung zur Eröffnung der Ökumenischen Friedensdekade 2015 hinterließ tiefen Eindruck unter den BesucherInnen des Antikriegshauses

Als die Lesenden der von Antonio Umberto Riccò bearbeiteten Augenzeugenberichte geendet hatten, herrschte betretenes Schweigen. Eine Abschlussdiskussion, wie sie von den Veranstaltern geplant war, mochte zunächst nicht in Gang kommen - zu groß war der Kloß im Hals nach den Schilderungen der Vorgänge am Morgen des 3. Oktober 2013 vor der kleinen italienischen Mittelmeerinsel.

Zum Abschluss unserer Veranstaltungsreihe "Wie wollen wir leben?" kommt am Sonntag, 11. Oktober um 16.30 Uhr, der Berliner Physiker und Wirtschaftsberater Andreas Siemoneit mit seinen Ideen zur Postwachstumsökonomie nach Sievershausen.

Als „Postwachstumsökonomie“ wird eine Wirt­schaft bezeichnet, die nicht auf Wachstum des Brutto­inlandsprodukts setzt, sondern sich durch Wachstums-rücknahme auszeichnet und trotzdem über stabile Versorgungsstrukturen verfügt.

Andreas Siemoneit will das System der Marktwirt­schaft rehabilitieren, es aber  einer grund­sätz­lichen Kritik unterwerfen und zeigen, dass „ech­te“ Marktwirtschaft ein sehr menschliches, einfaches und robustes System sozioökonomischer Bezie­hun­gen ist, wenn ihre Grundgedanken wirklich ernst genommen werden. Soziale Ungerechtigkeit, ökologischer Raubbau, entfremdete Arbeit, Lobbyismus, Korruption und Gier sind nur einige der Schattenseiten der west­lichen Ökonomie, und viele machen gerade das System der Marktwirtschaft mit seinem privaten Eigentum, Konkurrenz und individuellem Gewinn­streben dafür verantwortlich. Allerdings haben wir derzeit keine Marktwirtschaft, sondern Kapitalis­mus …

Das Ergebnis wird reichlich utopisch klingen, ist aber in sich schlüssig. Lassen wir uns über­raschen.

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Wie wollen wir leben?“ war am Sonntag Andreas Siemoneit zu Gast im Antikriegshaus. Er referierte zu Ideen der Postwachstumsökonomie und brachte in einem lebendigen und wissensreichen Vortrag dem Publikum dieses komplexe und ein wenig sperrige Thema näher. Sein Hauptanliegen war zu zeigen, wo in unseren Gesellschaften die Hinderungsgründe für eine Transformation zur Nachhaltigkeit liegen. Denn dass wir umsteuern müssen, war bei dieser Veranstaltung schon Konsens. Siemoneit erläuterte noch einmal kurz, dass die derzeitigen Versuche des Umsteuern kaum Erfolge zeigen: trotz hoher Effizienzgewinne verbrauchen wir nicht weniger Rohstoffe, sondern tendenziell sogar mehr, die bisherigen Recycling-Quoten sind eher mäßig und die propagierte „grüne“ Hochtechnologie steckt in dem Dilemma, entweder den Trend des zu hohen Rohstoffverbrauchs fortzusetzen oder nicht bezahlbar zu sein. Siemoneits Fazit an dieser Stelle: Statt Nachhaltigkeit zu fördern, wie es heute geschieht, müssen wir Nicht-Nachhaltigkeit durch Regeln ausbremsen, also einen Rahmen vorgeben, der nicht-nachhaltiges Wirtschaften verhindert.

Siemoneit zielte darauf, dass in unserem Wirtschaftssystem einerseits der ökonomische Druck auf die KonsumentInnen, in diesem System „mitzumachen“ immer weiter wächst, weil zum einen neue Geräte das Leben einfacher und flexibler machen, zum anderen Alternativen nicht mehr verfügbar sind (Beispiel Smartphone oder Auto), andererseits ökonomische Vermögens- und Machtkonzentration einen wirklichen Wettbewerb und ein stabiles wirtschaftliches Gleichgewicht verhindern. Diese – im Gegensatz zur vorherrschenden Ideologie zumeist leistungslose, weil hauptsächlich durch höheren Materialeinsatz zustande kommende  –  Konzentration von Macht und Vermögen führt zum derzeitigen Dilemma des zu hohen Rohstoffver­brauchs für höheren Lebensstandard und gleichzeitiger Zerstörung von Natur und Gesellschaften, also niedrigerem Lebensstandard.

Wenn also ein Rahmen gesetzt wird, der Vermögen und Rohstoffverbrauch begrenzt, können wir den unbeschränkten Kapitalismus, der heute herrscht, in eine robuste und einfachere Marktwirtschaft (und Lebensweise) zurückführen, die durchaus auf Leistungsprinzip und Wettbewerb beruhen kann und in der sich die Menschen frei entfalten können. Siemoneits Forderung ist, dass eine Gesellschaft möglichst wenig Vorgaben machen, sondern nur den nicht zu überschreitenden Rahmen festlegen sollte, um sich selbstbestimmt zu einem stabilen Gleichgewicht zu entwickeln.

Unklar blieb, wer bei der derzeitigen Machtkonzentration in der Lage sein kann, diesen Rahmen zu setzen. Hier kommt – das machte auch die anschließende Diskussion deutlich – doch die Zivilgesellschaft ins Spiel, die durch Eigeninitiative in Richtung nachhaltigen Handelns die Politik zu dieser Rahmensetzung drängt. Dabei spielen die vielen kleinen Initiativen, die es in dieser Richtung schon gibt, eine bedeutende Rolle. Der Weg zu einer anderen Gesellschaft jenseits des Wachstumswahns ist allerdings lang und die Kräfte, die den Status quo aufrecht erhalten wollen, sind stark.

200 Jahre Wiener Kongress–Hannover, Braunschweig und die Neuordnung Europas im 19. Jahrhundert

Dienstag, den 29. September 2015, 19.00 Uhr im Antikriegshaus

Am Dienstag, 29. September um 19 Uhr kommt Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel vom Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig zu seinem 3. und abscjließenden Vortrag im Rahmen der Reihe „Auf dem Weg nach Waterloo“ nach Sievershausen. Der Schwerpunkt dieses Mal wird auf den Ergebnissen des Wiener Kongresses liegen, die das Europa des 19. Jahrhunderts nachhaötig verändern sollten.

Mit dem endgültigen Sieg über Napoleon im April 1814 entstanden für die Alliierten und für ihre kleinen Verbündeten neue Probleme. In den Verträgen und Konferenzen von Mitte 1812 bis März 1814 war die Beseitigung der napoleonischen Vorherrschaft und die Wiederherstellung eines Gleichgewichtssystems in Europa, mit einem starken bourbonischen Frankreich und zahlreichen Staaten zweiten und dritten Ranges, Konsens gewesen. Ganz aus der Welt waren eigennützige Ansprüche auf Territorialvergrößerung jedoch nicht, weder bei den Alliierten, noch bei ihren kleineren Verbündeten. Begründet wurden diese in erster Linie mit den Lasten, die die einzelnen Länder in über zwanzig Kriegsjahren getragen hatten. Zudem mußten manche Staaten überhaupt erst wiederhergestellt werden, so die »Welfenlande« Hannover und Braunschweig-Wolfenbüttel, oder zu alter Größe zurückkehren, wie das im Frieden von Tilsit 1807 arg verkleinerte Preußen. Sollten diese Wiederherstellungen die Verhältnisse von vor den napoleonischen Kriegen getreulich widerspiegeln? Oder sollten sinnvolle Arrondierungen und Länderaustausche vorgenommen werden? Und woher sollten die Gebiete für die Vergrößerungsansprüche genommen werden? Wie, schließlich, sollte das neue staatsrechtliche Band der deutschen Staaten aussehen? War ein Wiederaufleben des Alten Reiches möglich, oder welch’ andere zukunftsfähigen Möglichkeiten waren denkbar? Diese Fragen sollten auf einem Kongreß beraten und beschlossen werden, der ab August 1814 nach Wien einberufen wurde und zu dem alle am gerade beendeten Krieg beteiligt Parteien aufgefordert wurden, Gesandte zu entsenden. Dieser »Wiener Kongreß« der Jahre 1814/15 beendete schließlich die Epoche tiefgreifender Umwälzungen, die mit der Französischen Revolution von 1789 und der ihr folgenden Herrschaft Napoleons das Antlitz Europas und das Leben seiner Einwohner nachhaltig verändert hatte. Auf gesellschaftlicher Ebene läuteten die Ideen von Freiheit und Gleichheit das Ende der Vorherrschaft des alten Adels ein. Das internationale Staatensystem schließlich, das Gleichgewicht der Großmächte in Europa, wurde ebenso nachhaltig und wirkungsvoll neu geordnet, wie mit dem Deutschen Bund der Kern Europas, die deutschen Staaten. Es waren Entscheidungen, die bis heute nachwirken und sichtbar sind.

Noch während die Staatsmänner Europas auf dem »Wiener Kongreß« verhandelten, kehrte Napoleon überraschend zurück. Am Ende dieses Intermezzos standen am 18. Juni 1815 die Niederlage von Waterloo und die Verbannung auf die im Atlantik vor Afrika gelegene britische Insel St. Helena. Die Befreiungskriege veränderten Europa und bedeuteten den Ausgangspunkt der nationalen Einigungsbewegung in Deutschland. Der Sohn des alten Erzfeindes von Napoleon, des braunschweigischen Herzogs Carl Wilhelm Ferdinand, Friedrich Wilhelm, sollte als »Schwarzer Herzog« zu einer der legendären Heldenfiguren dieser Befreiungskriege werden, nachdem er am 16. Juni 1815 in einem Vorgefecht bei Quatre-Bras tödlich verwundet worden war.

 Der Friedensort
Antikriegshaus Sievershausen 
ist ein anerkannter Friedensort
der 
Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Hannovers