Bildung unter Besetzung
In Teilen des besetzten Westjordanlandes gehen palästinensische Kinder nur noch drei statt fünf Tage pro Woche zur Schule. Einem aktuellen humanitären Bericht von UNICEF/OCHA zufolge sind rund 808.000 Kinder im Westjordanland aufgrund von Zugangsbeschränkungen und Unterrichtsausfällen in ihrer Bildung beeinträchtigt. Dies ist keine Entscheidung der Familien oder Lehrkräfte und auch keine kurzfristige Maßnahme. Es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, die Kindern schrittweise ihr Recht auf Bildung entziehen.
Die Palästinensische Autonomiebehörde befindet sich in einer schweren Finanzkrise, nachdem seit 2023 hohe Summen an Steuereinnahmen, die Israel in ihrem Namen gemäß dem Pariser Protokoll erhoben hat, einbehalten werden. Diese Gelder haben in der Vergangenheit grundlegende öffentliche Dienstleistungen, darunter auch das Bildungswesen, finanziert. Da fast 8 Milliarden Schekel blockiert sind, kämpfen die Schulen ums Überleben. Lehrer erhalten nicht ihr volles Gehalt, Schuljahre wurden verschoben, und viele Klassenräume werden nur noch mit reduziertem Stundenplan betrieben, weil schlichtweg das Geld fehlt, um sie offen zu halten.
In der Praxis bedeutet dies, dass Kinder, die fünf Tage die Woche lernen sollten, nun nur noch drei Tage Unterricht haben – und selbst das ist nicht garantiert. Bewegungseinschränkungen, Kontrollpunkte, Abrisse und zunehmende Gewalt durch Siedler machen den täglichen Schulbesuch in weiten Teilen des Westjordanlandes unsicher. Die Bildungssituation ist nicht zufällig beeinträchtigt, sondern eine Folge der Besatzungsbedingungen selbst.
Für Kinder in anderen Teilen der Welt ist diese Realität kaum vorstellbar. In Städten wie London, Berlin oder New York besuchen Kinder rund 180 Tage im Jahr die Schule. Eine volle Schulwoche ist selbstverständlich, und Stabilität ist im System verankert. Für palästinensische Kinder bricht diese Stabilität zusammen.
Aisha Al-Khatib ist Schulleiterin einer öffentlichen Schule in Nablus und Koordinatorin der Frauengruppe „Combatants for Peace“. Sie erlebt die Auswirkungen täglich.
So sieht Bildungsentzug im wirklichen Leben aus: nicht nur weniger Unterricht, sondern schwindende Motivation, wachsende Frustration und tiefgreifende psychische Schäden. Nach internationalem Recht hat jedes Kind das Recht auf Bildung, auch unter Besatzung. Diese Verpflichtung bleibt bestehen, auch wenn Gelder zurückgehalten oder politischer Druck ausgeübt wird.
Wir von Combatants for Peace starten eine neue Kampagne, um auf die Situation in den Schulen des Westjordanlandes aufmerksam zu machen. Wir wollen sichtbar machen, was allzu oft ignoriert wird: Kindern eine volle Schulwoche zu verweigern, ist eine Form kollektiven Schadens, der weit über die Klassenzimmer hinausreicht. Diese Kampagne wird den Stimmen von Schülern, Lehrern und Familien, die unter den Folgen des verkürzten Schulbetriebs leiden, Gehör verschaffen. Sie stellt den Zusammenhang zwischen den Bildungsstörungen und den umfassenderen Realitäten der Besatzung her und beharrt auf einer einfachen Wahrheit:
Keine politische Situation rechtfertigt es, in einem Klassenzimmer das Licht auszuschalten.
Teilen Sie diese Botschaft mit Ihren Abgeordneten, Ihren Gemeinden und Ihren Netzwerken – weitere Informationen und Ressourcen finden Sie auf unserer Website.
Helfen Sie mit, die Situation in den Klassenzimmern des Westjordanlandes sichtbar zu machen.








