Friedensaktion auf dem Kirchentag

Das war toll: bei strahlendem Sonnenschein haben 2.500 Menschen in einer langen Friedenskette die Forderungen nach Abrüstung und für den Atomwaffenverbotsvertrag der UN und für eine Stärkung gewaltfreier, ziviler Instrumente der Konfliktbearbeitung beim Kirchentag unübersehbar auf die Straße getragen.

„Ich kann jede der Forderungen dieser Menschenkette nachdrücklich unterstützen", betonte Heinrich Bedform-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof, zum Auftakt. „Es ist absurd, dass weltweit Billionen für die Rüstung ausgegeben werden, während wir nur einen Bruchteil davon bräuchten, um den Hunger in der Welt zu besiegen", kritisierte er. Darum sei eine atomare Abrüstung wichtig und Nuklearwaffen müssten völkerrechtlich geächtet werden, forderte er. 

„Die Menschenkette zeigt, dass die Menschen ein ,Weiter so´ auf dem Weg in neue Kriege nicht tolerieren", meinte Joachim Schramm, der Landesgeschäftsführer der DFG-VK Nordrhein-Westfalen. Das Ruhrgebiet sei von Atomwaffenstützpunkten umgeben, wo Atomwaffen modernisiert werden sollen. „Auch darum sind wir hier, um dagegen zu protestieren", machte er deutlich.

Unsere Menschenkette bildet auch eine Brücke hin zum letzten Atomwaffenstandort in Deutschland, nach Büchel in der Eifel. Dort wird es am 7. Juli einen Kirchlichen Aktionstag gegen Atomwaffen geben, bei dem die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann in einem Gottesdienst predigen wird. „Die Bänder, die die Menschen hier in der Kette verbanden, werden nun als langes Band nach Büchel gehen", so Joachim Schramm.

Erste Presseresonanz - auch mit schönen Bildern:

Dieser Erfolg war nur möglich, weil eigentlich wenige, aber unglaublich engagierte Menschen zusammengewirkt haben - all ihnen gehört ein großer Dank! Selbst der Polizei war es ein Anliegen, dass die Kette geschlossen wird - immer wieder rief mich eine nette Polizistin während der Menschenkette an, um zu informieren, wo noch Lücken sind.

AGDF will bei Kirchentag in Dortmund deutliche Zeichen für den Frieden setzen

Ganz im Zeichen des 50-jährigen Bestehens steht die Präsenz der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Dazu gehören das „Friedensdorf“ auf dem Markt der Möglichkeiten, ein Gottesdienst in der Lutherkirche in Hörde und die Menschenkette in der Dortmunder Innenstadt. „Aus Anlass unseres Jubiläums wollen wir bei diesem Kirchentag auch ein deutliches Zeichen setzen und sind vielen Aktivitäten präsent“, unterstreicht Jan Gildemeister, der AGDFGeschäftsführer. Dies zeigt sich vor allem beim Markt der Möglichkeiten auf dem Kirchentag. Aus Anlass des Jubiläums der AGDF wird es hier erstmals ein großes „Friedensdorf der evangelischen Friedensarbeit“ in der Westfalenhalle geben, wo sich Friedensverbände, Friedensgruppen und Einrichtungen aus mehreren evangelischen Landeskirchen präsentieren. Mit Infoständen, einer Aktionsbühne, Mitmachmöglichkeiten und vielen Gesprächsangeboten. „Hier wollen wir mit den Besucherinnen und Besuchern des Kirchentages ins Gespräch kommen, aber auch über die vielfältige Tätigkeit der evangelischen Friedensarbeit informieren“, so Jan Gildemeister. Zu finden sein wird das Friedensdorf im Themenbereich „Gewalt überwinden – Frieden schaffen“ auf dem Markt der Möglichkeiten in Messehalle 4. (Anm.: Dort wird auch das Antikriegshaus zu finden sein.)  


Am Samstag, 22. Juni, lädt die AGDF um 19 Uhr zu einem Gottesdienst „Der Friedenskraft vertrauen – Erfahrungen aus 50 Jahren Dienst am Frieden“ in die Lutherkirche in Dortmund-Hörde ein. Prediger in diesem Gottesdienst ist der mennonitische Theologe Professor Dr. Fernando Enns (Hamburg), weitere Mitwirkende sind die AGDF-Vorsitzende Christine Busch, der Heidelberger Pfarrer Dr. Vinzenco Petracca sowie die Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Pfarrerin Dr. Dagmar Pruin. Im Anschluss an diesen Gottesdienst gibt es dann rund um die Lutherkirche auch die Möglichkeit zu einem gemütlichen Beisammensein und Gedankenaustausch zu „50 Jahre AGDF“. Ein deutliches Zeichen in die Gesellschaft hinein soll die Menschenkette „Vertraue dem Frieden und lebe ihn“ am Samstag, 22. Juni, in der Dortmunder Innenstadt senden, zu der die AGDF gemeinsam mit der DFG-VK Nordrhein-Westfalen aufgerufen hat. Damit soll ein Signal des Friedens gesetzt werden angesichts einer zunehmenden Aufrüstung, eines wachsenden, gefährlichen Nationalismus und der Missachtung von Rüstungskontrolle, wie AGDF-Geschäftsführer Jan Gildemeister deutlich macht. Und er erinnert daran, dass die AGDF immer wieder bei Kirchentagen auch zu Aktionen aufgerufen hatte, so beispielsweise 1981 beim Kirchentag in Hamburg mit der ersten Großdemonstration gegen die atomare Rüstung in Ost und West oder 2015 mit einer Menschenkette beim Kirchentag in Stuttgart. „In diese Tradition wollen wir uns auch in Dortmund stellen“, so Gildemeister. Horst Scheffler, der frühere AGDF-Vorsitzende, wird zudem am Samstag, 22. Juni, von 11 bis 13 Uhr an einem Workshop im Zentrum Muslime und Christen als Diskussionspartner teilnehmen. Das Thema lautet: „Christlich-muslimischer Friedensdialog: Starke Kraft zum Frieden“. „Es ist schön, dass wir bei diesem Kirchentag in vielfältiger Form dabei sind und unsere Stimme erheben“, betont die AGDF-Vorsitzende Christine Busch. Und sie hofft, dass die evangelische Friedensarbeit dabei möglichst viele Menschen erreicht. „In einer Zeit, in der Aufrüstung, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit wieder stark werden, ist es wichtig, zu zeigen, dass Gewaltfreiheit, Abrüstung, Nächstenliebe und Menschlichkeit stärker sind“, macht sie deutlich.

Freitag, 14. Juni, 19.30 Uhr
Kolumbien auf dem Weg zum Frieden


Am Freitag, 14. Juni um 19.30 Uhr stellen Nikolás Hernández Jiminez und Samir Mührasst Iriarte, die beiden kolumbianischen Freiwilligen, die seit September letzten Jahres im Antikriegshaus Sievershausen ihren einjährigen Dienst versehen, ihr Ausstellungsprojekt über den Friedensprozess in ihrem Heimatland vor.
Bei den meisten Menschen hierzulande ist das Wissen über Kolumbien eher begrenzt, obwohl Deutschland mit dem von Bundespräsident Steinmeier persönlich implementierten Gemeinschaftsprojekt CAPAC in den Friedensprozess einbezogen ist, Nun gibt es eine Gelegenheit mehr zu erfahren über die lange Geschichte dieses lateinamerikanischen Landes, eine schwierige Geschichte mit langen Phasen bewaffneter Auseinandersetzungen im Lande um soziale und ökonomische Gerechtigkeit. Die letzte Bürgerkriegsphase dauerte 50 Jahre lang und gilt als die längste bewaffnete innere Auseinandersetzung der Welt.
Nach der Eröffnung besteht die Gelegenheit, sich mit Nicolás und Samir auszutauschen.

Die Ausstellung ist in den kommenden 4 Wochen dienstags und freitags im Antikriegshaus zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Der Newsletter für den Juni

Der neue Newsletter des Antikriegshauses für den Juni 2019 ist jetzt online und hier oder über das Menü abrufbar.

40 Jahre Anstiftung zum Frieden - Bericht zum Antikriegshaus-Jubiläum

"So ein Haus, so ein Friedensort ist einzigartig - ihr könnt mit einem gesunden Selbstbewusstsein ob des Erreichten, wenn auch mit Demut und Bescheidenheit in die Zukunft blicken." Das gab Jan Gildemeister, Geschäftsführer der AGDF, dem Team des Antikriegshauses beim 40-jährigen Jubiläum mit auf den Weg.

Das Antikriegshaus hatte zum Jubiläumsfest geladen, und viele alte Weggefährt*innen sind gekommen, um mitzufeiern. Begonnen wurde mit einem Gottesdienst in der Martinskirche, mit der das Antikriegshaus seit fünf Jahren fest im Nagelkreuzzentrum Sievershausen verbunden ist. Schon hier wurde ein erster Dank ausgesprochen. Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr schlug in ihrer Predigt eine Brücke zur – schwierigen und notwendigen – Versöhnungsarbeit in diesem Land und brachte zum Ausdruck, wieviel Geduld für eine solche Arbeit wie für Friedensarbeit überhaupt erforderlich ist und welcher Mut auf allen Seiten dazu gehört. Und schon hier klang an – wie auch in den verschiedenen Grußworten –, dass Friedensarbeit ein Feld ist, das immer noch zu wenig beackert wird.

Die Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit in der Friedensarbeit, die lange Jahre von Klaus Rauterberg geprägt wurde, war auch Thema beim Erzählcafé, das in Einzelberichten von Weggefährten die Geschichte des Antikriegshauses aufleben ließ. Thomas Rauterberg zeigte Bilder, andere steuerten Anekdoten bei – die Zeit verging wie im Fluge und war viel zu kurz für all das, was angesprochen werden wollte.

Auch die beiden Gesprächskreise im Laufe des Nachmittags zum Friedensort Sievershausen und mit den Partnern des Antikriegshauses in der Friedensarbeit fanden reges Interesse. Hier standen Gegenwart und Zukunft im Mittelpunkt. Es wurde deutlich, wie sehr das Antikriegshaus mit der Landeskirche Hannovers und der Evangelischen Kirche insgesamt verwoben ist und als Partner, aber auch kritischer Geist wirkt, der – zusammen mit anderen – der Kirche hilft, den Weg des gerechten Friedens zu gehen. Aber auch die kleinen Schritte in der Friedenspädagogik kamen zur Sprache: die Wichtigkeit des internationalen Austauschs in den Workcamps und inzwischen auch mit den Freiwilligen, die ein ganzes Jahr im Antikriegshaus verbringen, die friedenspädagogischen Angebote für kirchliche Gruppen und Schulklassen, damit Frieden und zivile Konfliktbearbeitung Grundlagenwerte in der Erziehung werden und nicht das Militär die jungen Menschen über Gebühr beeinflusst. Interessant war, von der Arbeit der Partnerorganisationen zu hören, insbesondere vom Forum Ziviler Friedensdienst, das erfolgreich Friedenfachkräfte für den Einsatz in aller Welt ausbildet Interessant war aber auch, wie weit die Vernetzung innerhalb der Kirche schon gedeiht.

Ganz wichtig bei diesem Jubiläumsfest aber war für viele die Gelegenheit, Gespräche zu führen mit anderen Friedensbewegten, die man vielleicht schon länger nicht gesehen hat, mit denen man eine gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames Anliegen teilt. Überall sah man Gruppen zusammenstehen und plaudern. Die schöne und dezente Musik zwischendurch verführte zum Verweilen und Zuhören, ehe man sich zum nächsten Podium aufmachte. Nach dem Schlusswort und dem Reisesegen war deshalb noch lange nicht Schluss, beim gemeinsamen Essen all der Leckereien, die die vielen Helfer*innen aufgetischt hatten, wurde weitererzählt und Mut geschöpft für die – manchmal erschöpfende – Friedensarbeit. Die Lieder von Matthias Witzig brachten zum späten Abend dann einen Hauch Besinnlichkeit, eine friedliche Stimmung, die würdig diesen Tag beschloss.

Einen herzlichen Dank an die vielen Helferinnen und Helfer im Hintergrund, die dieses Fest im gemeinsamen Einsatz möglich gemacht haben. Und einen herzlichen Dank an alle Mitstreiter*innen, ohne die die Friedensarbeit in Sievershausen früher und heute nicht existieren würde. Nur gemeinsam können wir etwas erreichen.

Besonders bedankt sich der Verein beim Fonds "Frieden stiften" der Ev.-luth.Landeskirche Hannovers für die großzügige finanzielle Förderung der Jubiläumsveranstaltung.

Pressemitteilung der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden zum Jubiläum:

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