Sonntag, 3. September, 16 Uhr

„Arzt hätt‘ ich nicht werden dürfen.“ -  hannoversche kammerspiele

Eine Veranstaltung des Nagelkreuzzentrums Sievershausen im Rahmen der Reihe ZEITZEUGEN

 Zum Antikriegstag (1. September, Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und damit Beginn des 2. Weltkrieges) zeigt das Nagelkreuzzentrum am Sonntag, 3. September im Antikriegshaus die Aufführung der hannoverschen kammerspiele „Arzt hätt‘ ich nicht werden dürfen.“ In mühevoller Kleinarbeit wurde aus den umfangreichen Verhörprotokolle des Prozesses gegen Adolf Eichmann ein Theaterstück entwickelt. ‚Oberstummbannführer‘ Eichmann, zentrale Figur bei der Organisation der Judenvernichtung und Inbegriff des Schreibtischtäters, der sich direkt nach dem Krieg nicht allzu weit von hier entfernt, in Altensalzkoth in der Südheide, versteckten konnte, bevor ihm zur Flucht nach Südamerika verholfen wurde. Dort spürte ihn der israelische Geheimdienst nach langen Jahren auf und entführte ihn 1960 nach Israel, wo ihm in den folgenden Jahren der Prozess gemacht wurde und er 1962 hingerichtet wurde.

„Das sind keine persönlichen Entscheidungen gewesen. Wäre ich nicht dort gewesen, irgendjemand anderer hätte genau dieselben Entscheidungen treffen müssen, auf Grund der vorliegenden Weisungen, Verordnungen und Erlasse...“, eine von Eichmanns Rechtfertigungen während dieses Prozesses, bei dem dieser Prototyp einer Untertanenmentalität, die mit dem Dritten Reich keineswegs ausgestorben ist, jegliche persönliche Verantwortung von sich weist.

„Was Surholt und Schandry lesen und spielen ist eine Symphonie des Grauens: der amtlich verordnete und bürokratisch durchgeführte Massenmord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten. Dabei gelingt es den Schauspielern, eindringlich das unvorstellbare Grauen und lähmende Entsetzen durch Eichmanns Bürokratenfassade scheinen zu lassen.“ (Bonner Generalanzeiger)

Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlbezirks stellen sich Fragen zur Friedens- und Europapolitik

Am Freitag, den 25. August 2017, 19.00 Uhr lädt das Antikriegshaus Sievershausen im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl zu einer öffentlichen Gesprächsrunde mit Kandidatinnen und Kandidaten des hiesigen Wahlkreises Hannover Land II ein, deren Parteien im aktuellen Bundestag vertreten sind. Gegenstand der Podiumsveranstaltung werden Themen der Sicherheits-, Friedens- und Europapolitik sein. Den Fragen von Lutz Krügener, Referent für Friedensfragen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Elvin Hülser, Vorsitzender des Antikriegshauses, stellen sich die Bundestagskandidatinnen und -kandidaten Dr. Maria Flachsbarth (CDU), Dr. Matthias Miersch (SPD), Jessica Kaußen (Die Linke) sowie Roland Panter (Bündnis 90/Die Grünen).

Davor laden um 18 Uhr die ev.-luth. Kirchengemeinde und das Antikriegshaus zu einer Nagelkreuzandacht mit Landesbischof Ralf Meister in die St. Martinskirche ein.

Erfolgreicher Abschluss des Internationalen Workcamps 2017

Das Internationale Workcamp im Antikriegshaus wurde am Wochenende erfolgreich abgeschlossen. Die beiden Vorhaben - Erstellung eines Tryptichons zum Thema "Meine Hoffnungen, unsere Zukunft" und Anlage einer Streuobstwiese am Antikriegshaus -  konnten umgesetzt werden. Auf der Streuobstwiese wurde zum Abschluss ein Bäumchen der alten Sorte "Sternreinette" gepflanzt. Die Anbringung der Kunstwerke konnte noch nicht vorgenommen werden, da noch das auftragen einer Schutzlackierung erforderlich ist. Hier geht es zu den Berichten in der Peiner Allgemeinen Zeitung, dem Anzeiger für Lehrte und dem Marktspiegel.

Christoph Emmelius spricht im Antikriegshaus über Erasmus von Rotterdam

Bericht von Berndt Waltje

Christoph Emmelius, langjähriges Vorstandsmitglied im Antikriegshaus, hat am 11. Juni einen hochinteressanten Vortrag zu Erasmus von Rotterdam gehalten. Erasmus, ein etwas älterer Zeitgenosse Luthers, war ein entschiedener Gegner von Dogmatismus und Gewalt, ein Mann des Ausgleichs, der sich keinem politischen Lager der Zeit zuordnen lassen wollte und sich in zahllosen Briefen und Schriften der Vermittlung und Versöhnung widmete. Trotz aller Kritik an der Papstkirche, die er auch in satirischen Schriften wie „Julius vor der verschlossenen Himmelstür“ oder „Lob der Torheit“ ausdrückte, trat er für die Einheit der Kirche ein und wollte Luther nicht in dessen Radikalität folgen.

Dabei war er ein konsequenter Verfechter des Friedens. 1517, im Jahr des Lutherschen Thesenanschlags, veröffentlichte Erasmus „Die Klage des Friedens“ anlässlich einer geplanten Friedenskonferenz im nordfranzösischen Cambrai, zu der alle Herrscher Europas geladen waren. Er sprach sich für eine starke Trennung der Kirche von allem Militärischen aus – Julius II., bis 1513 Papst, führte Krieg zur Ausdehnung seiner Macht - und rief die weltlichen Fürsten dazu auf, gewalttätige Auseinandersetzungen zu vermeiden. Für ihn gab es keinen „gerechten Krieg“, wobei er zugestand, dass europäische Herrscher sich gegen die Türken verteidigten. Gewalt und Krieg war für ihn das Übel schlechthin, und er plädierte dafür, gewisse Mißstände eher zu ertragen als mit Gewalt zu bekämpfen. Der Mensch sei für Freundschaft und Wohltätigkeit geschaffen, seine natürliche Ausstattung lasse erkennen, dass er nicht für Kampf und Gewalttätigkeit bestimmt sei. Aber auch ökonomisch seien Kriege einfach widersinnig, ihre Kosten überstiegen jeglichen eventuellen Nutzen. Er plädierte für Institutionen der Streitschlichtung und war damit ein früher Verfechter der zivilen Konfliktbearbeitung, für verbindliche Regeln, also quasi ein Völkerrecht, das sich am Gemeinwohl orientiert. In seiner pazifistischen Haltung ist Erasmus hochaktuell, werden doch noch heute Kriege als „gerecht“ und „unvermeidlich“ bezeichnet, obwohl sie in keinem Fall den Menschen dienlich sind, sondern nur Tod und Verderben bringen.

Seiner eigenen Zeit war Erasmus voraus, seine Friedensbemühungen und sein Pochen auf Vernunft trugen nur wenig Früchte. Ebenfalls 1517 gab es handschriftlich schon „Il Principe“, das Hauptwerk Macchiavellis mit den Grundsätzen der Staatsräson, die beinhalten, dass ein Herrscher „die Gesetze der traditionellen Moral verletzen“ können müsse, um seine Herrschaft aufrechtzuerhalten. Um wieviel freundlicher klingt da doch das Streben von Erasmus nach Frieden und Einmütigkeit auf der Grundlage des Gemeinwohls.

Trotz des Eintauchens in eine 500 Jahre alte Geschichte war der Vortrag von Christoph Emmelius kurzweilig und lehrreich. Die etwas 50 Zuhörer*innen erlebten einen Redner, der sein Wissen gut vermittelte und zudem sein Referat abwechslungsreich gestaltete, indem er zwischendurch zusammen mit seiner Frau Textpassagen aus den Werken des Erasmus vortrug, die einen guten Eindruck von dessen Redekunst vermittelten.

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